Arzt - Deutsch, Deutsch - Arzt

Man ist beim Arzt, bekommt seinen Befund mitgeteilt und versteht kaum, worum es eigentlich geht. Das muss nicht sein, fanden zwei Medizinstudierende und starteten im Januar das Online-Portal washabich.de. Die Nachfrage ist so groß, dass ein drei viertel Jahr später schon rund 250 Medizinstudenten und Ärzte ehrenamtlich im Projekt mitarbeiten.

Akute Pharyngitis! hört sich an wie das Todesurteil, ist aber lediglich eine Rachenentzündung. Der Arzt weiß es, die Sprechstundenhilfe bzw. Krankenschwester weiß es und Sie könnten es auch wissen, wenn man es Ihnen nur erklärte.

Dieser Aufgabe hat sich Anja Kersten verschrieben. Sie studiert im zwölften Semester Humanmedizin an der TU Dresden und möchte Medizin für Patienten transparenter gestalten. „In unserem Portal können sich Patienten ihre medizinischen Befunde kostenlos in eine leicht verständliche Sprache ‚übersetzen‘ lassen – frei vom typischen Mediziner-Latein“, erklärt die Mit-Initiatorin des Projekts.

Und das funktioniert so: Auf der Website washabich.de lädt man seinen medizinischen Befund hoch oder sendet ihn per Fax ein. Persönliche Angaben wie Name, Wohnort oder Versichertennummer soll man schwärzen oder abdecken, damit die eigenen Daten anonym bleiben.



Die Befunde werden dann von einem bundesweiten Team von ehrenamtlichen Helfern innerhalb von kurzer Zeit gelesen und in leicht verständliche Aussagen übersetzt
. Der Patient kann das Ergebnis anschließend online unter Angabe eines Passwortes abfragen. 285 Medizinstudenten von 33 Fakultäten (ab dem achten Fachsemester), 42 Assistenz- und Fachärzte sowie zwei Diplom-Psychologen bewältigen die Übersetzung von rund 150 Befunden pro Woche.

Für die Medizinstudenten ist die Erklärung der Befunde wie eine kleine Fortbildung, denn sie werden mit realen Patientenfällen auf den späteren Arbeitsalltag vorbereitet und können sich durch die Übersetzungen neues medizinisches Fachwissen aneignen. „egal ob Laborbefund, Ergebnis einer Röntgen-, ct- oder mrt-Untersuchung oder ein ganzer Arztbrief – bisher konnten wir in allen Fällen, die Nutzer eingeschickt haben, auch weiterhelfen“, sagt Kersten. „Durch die große Nachfrage mussten wir sogar ein virtuelles Wartezimmer einrichten“, so Kersten. Es werden jedoch alle Anfragen nacheinander abgearbeitet.

http://www.washabich.de  

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